Georg Günther – Ihr MdB

Zwölf Stunden im Rettungsdienst

Was ich aus Stralsund mitnehme

Ein Praktikumstag, der früh begann und viele neue Eindrücke gebracht hat: Um 6:30 Uhr morgens startete mein Tag, zwölf Stunden später endete mein Einsatz bei der Rettungswache West in Stralsund. Ich wollte einen unmittelbaren Einblick in den Alltag des Rettungsdienstes bekommen und vor allem verstehen, welche Herausforderungen die Einsatzkräfte vor Ort tatsächlich beschäftigen.

Nach einer kurzen Einweisung ging es gemeinsam mit der Besatzung auf den Rettungswagen (RTW). Insgesamt sechs Einsätze erlebten wir während meiner zwölfstündigen Schicht. Dabei wurde schnell deutlich: Rettungsdienst bedeutet weit mehr als Blaulicht und schnelle Fahrten. Die Einsatzkräfte müssen innerhalb kürzester Zeit Situationen einschätzen, medizinische Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und gleichzeitig Ruhe ausstrahlen.

Ein besonderer Dank gilt deshalb meinen beiden Kollegen auf dem RTW, die mir während des Tages viele Abläufe erklärt und einen offenen Einblick in ihren Berufsalltag des Rettungsdienst- und Notfallsanitäters gegeben haben. Auch die Besichtigung der Leitstelle war für mich besonders interessant. Dort laufen die Informationen zusammen, werden Notrufe bewertet und die notwendigen Einsatzmittel koordiniert.

Rettungsdienst im ländlichen Raum: Zeit ist ein entscheidender Faktor

Besonders beschäftigt hat mich die Frage, wie sich die Anforderungen an den Rettungsdienst in einer Region wie Vorpommern-Rügen darstellen. Große Entfernungen, eine teilweise dünne Besiedlung und die Altersstruktur der Bevölkerung stellen andere Anforderungen als in dicht besiedelten Ballungsräumen.

Für mich ist deshalb klar: Eine gute Notfallversorgung darf nicht davon abhängen, ob jemand in einer Großstadt oder im ländlichen Raum lebt. Rettungswachen, qualifiziertes Personal und eine leistungsfähige Leitstellenstruktur müssen so organisiert sein, dass Hilfe schnell und zuverlässig ankommt.

Gleichzeitig müssen wir uns ehrlich fragen, welche Aufgaben der Rettungsdienst tatsächlich übernehmen soll. Wenn Rettungswagen für Fälle eingesetzt werden, die keine klassische Notfallversorgung benötigen, fehlen diese Ressourcen im entscheidenden Moment möglicherweise an anderer Stelle.

Genau hier setzt eine der derzeit wichtigsten gesundheitspolitischen Reformen des Bundes an.

Mehr Verantwortung für den Rettungsdienst

Aus meinem Praktikum nehme ich auch die Frage mit, ob die Kompetenzen der Einsatzkräfte noch besser an die Realität des Einsatzgeschehens angepasst werden müssen.

In der aktuellen politischen Diskussion geht es deshalb nicht nur um die Organisation von Leitstellen und Notaufnahmen, sondern auch um die Rolle und die Kompetenzen des Rettungsdienstpersonals. Verschiedene Verbände setzen sich dafür ein, die Kompetenzen von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern zu erweitern und ihnen unter klar definierten Voraussetzungen mehr eigenständige medizinische Entscheidungen zu ermöglichen. Auch eine stärkere Verankerung des Rettungsdienstes als eigenständige Leistung im SGB V wird diskutiert.

Das ist eine Diskussion, die wir ernsthaft führen müssen. Wer hochqualifizierte Menschen in den Rettungsdienst schickt, muss ihnen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen geben, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, ärztliche Versorgung zu ersetzen. Es geht darum, klare Zuständigkeiten, Rechtssicherheit und moderne Kompetenzprofile zu schaffen.

Auch die Krankenhausreform betrifft den Rettungsdienst

Die Arbeit des Rettungsdienstes lässt sich außerdem nicht isoliert von der Krankenhausversorgung betrachten. Mit der Krankenhausreform wird die stationäre Versorgung stärker über sogenannte Leistungsgruppen organisiert. Diese sind mit Qualitätsanforderungen verbunden und sollen künftig stärker darüber entscheiden, welche Krankenhäuser bestimmte Leistungen anbieten können.

Für den Rettungsdienst bedeutet das: Wenn sich die Krankenhauslandschaft verändert, verändern sich auch die Wege, die ein Rettungswagen zurücklegen muss. Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern ist deshalb entscheidend, dass bei der Krankenhausplanung nicht nur die wirtschaftliche oder medizinische Spezialisierung betrachtet wird, sondern auch Erreichbarkeit, Fahrzeiten und die Perspektive des Rettungsdienstes.